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'''Neugier''' (auch '''Neugierde''') ist das als ein Reiz auftretende Verlangen, Neues zu erfahren und insbesondere, Verborgenes kennenzulernen.

Abgrenzungen

Neugier kann ausgerichtet sein auf permanent wechselnde Ereignisse, um dadurch eine Lust an Sensationen befriedigen zu können. Bei dieser Begriffsvariante sind emotionale und motivierende Anteile hoch.

Ist die Neugier auf ein Interesse an Wissen ausgerichtet, stehen forschungs- oder verstandesmäßige Anteile im Vordergrund. Diese Form der Neugier wird auch '''Wissbegierde''' genannt (historisch ''Philomathie'' von gr. ''philomathía'').

Krankhafte Neugier wird Skopophilie genannt.

Kulturgeschichte

Seit jeher machen Menschen die Erfahrung, dass die Erkundung von Neuem oft mit Gefahren verbunden ist, aber auch Chancen eröffnet. Angst ist dabei nicht in jedem Fall ein dämpfender Faktor für die Neugier, sondern kann sie auch beflügeln, ? etwa als Suche nach dem ?ultimativen Kick? in der heutigen Freizeitgesellschaft.

Für Herodot war die Neugier nach historischen Zusammenhängen das Hauptmotiv dafür, Geschichtsschreiber zu werden. Für die ionischen Naturphilosophen war sie der Antrieb, ?hinter die Dinge? schauen zu wollen, ebenso für Platon, für den das ?Staunen? (griechisch ?thaumazein?) den Anfang aller Philosophie darstellte. Zitat:

Der Ägyptologe Jan Assmann charakterisiert die kulturelle Begegnung des antiken Griechenland mit Ägypten als eine ''einseitige Neugier'': In einer Rezension seiner Studie ''Weisheit und Mysterium'' heißt es dazu:

Augustinus verortet das Zentrum der Neugier in den Augen. Das Sehen habe stärker als andere Sinne die Tendenz, in die Ferne zu schweifen. Es gehe über den Körper und die unmittelbare Umgebung des jeweiligen Menschen hinaus, könne aber genauso ein Vorausschauen und Zurückblicken sein und damit die Gegenwart transzendieren. Doch letzten Endes bleibt für ihn die Neugier ein Laster:

Im Mittelalter zählt Thomas v. Aquin die Neugier (curiositas) zu den Lastern, die er der Tugend der Wissbegier (studiositas) gegenüberstellt.

In der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wurde die Neugier hauptsächlich als eine weibliche Eigenschaft angesehen. In dem Buch .

Gegenwart

Der Autor, Kolumnist und Essayist Harald Martenstein schrieb 2012:

Psychologie

In der Persönlichkeitspsychologie gilt (intellektuelle) Neugier als wichtiger Teilaspekt der Persönlichkeitseigenschaft Offenheit (''openness''). Sie ist eingebettet in das breitere Konzept der Offenheit für vielfältige Erfahrungen (''openness to experience'') und korreliert moderat mit Intelligenz und Kreativität.

Im Zusammenhang mit Neugier wird in der Psychologie häufig Berlyne zitiert, der (tier-)experimentelle Studien durchgeführt hat. Ein Ergebnis bezog sich auf die Frage, welche situativen Bedingungen eine Neugier hervorrufen könne. Berlyne fand dafür die vier Aspekte

Außerdem unterscheidet Berlyne einerseits zwischen spezifischer und diversiver Neugier, andererseits zwischen perzeptueller und epistemischer Neugier. Nach Berlynes Aktivationstheorie wird dabei spezifisches Neugierverhalten eher dann gezeigt, wenn ein Organismus vielen Umweltreizen ausgesetzt ist. Man widmet sich hierbei einzelnen Aspekten der Umwelt, um sie zu erkunden und damit das subjektive Reizniveau zu senken. Finden sich zu wenig Reize in der Umwelt, zeigt ein Organismus diverses Reizverhalten, er sucht also nach neuen Reizen in der Umwelt, um Langeweile abzubauen. Ein mittleres Reiz- oder Aktivationsniveau empfindet man hingegen als angenehm.

Eine Studie von 2015 zeigt, dass Menschen, um Unklarheiten zu beseitigen, gewillt sind, Neues zu erforschen, auch wenn es negative Konsequenzen haben kann.

Trivia

Der Mars-Rover der NASA-Mission Mars Science Laboratory wurde nach einem Vorschlag einer Schülerin ''Curiosity'' (englisch für ?Neugier?) getauft.

Siehe auch

Literatur

  • D. E. Berlyne: ''Conflict, arousal, and curiosity.'' McGraw-Hill, New York NY u. a. 1960 (Deutsch: ''Konflikt, Erregung, Neugier. Zur Psychologie der kognitiven Motivation.'' Klett, Stuttgart 1974, ISBN 3-12-920610-8).
  • Donata Elschenbroich (Hrsg.): ''Anleitung zur Neugier. Grundlagen japanischer Erziehung'' (= ''Edition Suhrkamp'' 1934 = NF Bd. 934). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-518-11934-6.
  • Neil Kenny: ''The Uses of Curiosity in Early Modern France and Germany.'' Oxford University Press, Oxford u. a. 2004, ISBN 0-19-927136-4.
  • Carolin Duttlinger, Johannes Birgfeld (Hrsg.): ''Curiosity in German Literature and Culture from 1700 to the Present'' (= ''Oxford German Studies.'' Vol. 38, Nr. 2, ). Maney, London 2009.

Weblinks

Einzelnachweise